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NOMOS PHYSIS ist ein griechischer Terminus aus dem 4./5. Jahrhundert, bei dem es um die Frage geht, ob das Recht des Menschen über das Recht der Natur herrscht oder umgekehrt. 1500 Jahre später, in einer Zeit von Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenknappheit, ist die Thematik aktueller denn je. Zumindest steigt das Bewußtsein darüber, dass unser Handeln globale Folgen hat,  das Gesicht unseres Lebensraums prägt und letztlich in seiner Konsequenz auf uns zurückfällt.

Wasser hat im steten Dahinströmen den Charakter des linear Endlosen und ist in seinem Kreislauf Sinnbild des Zyklischen. Wasser steht auch für Zeit: man denke nur an die unterschiedlichen Landschaften, die durch Wasserbewegungen geformt wurden und in ihrer zerstörerischen wie lebensspendenden Kraft an Prozesse des Lebens und Alterns erinnern. Der Wassertropfen erinnert an die kleinste Einheit und die Reduktion auf den Moment. Das Meer mit seinen verborgenen und zum Großteil noch unerforschten Welten und Bewohnern symbolisiert die Welt der Gefühle.

All diese Aspekte finden Eingang in den Tanz, der sich als Kommunikation zwischen NOMOS und PHYSIS versteht: Körper als Schnittstelle zwischen Natur und geistigen Dimensionen.

Die bekannte Linzer Choreographin und Tänzerin Marina Koraiman hat mit ihrem kongenialen Lichtdesigner Rainer Kocher eine faszinierende Rauminstallation entworfen, in der Wasseraquarien als mehrfach nutzbare Lichtlinse eingesetzt werden. Im magisch wirkenden Ambiente werden unterschiedliche Qualitäten und Aspekte des Wassers auf die Bühne gebracht. Bilder einer weit zurückliegenden Ursprünglichkeit mit bizarrem Getier der Unterwasserwelt prallen auf Reflexionen unserer mitteleuropäischen Lebensweise im Spannunsverhältnis mit Natur. Die Bewegungssprache schöpft aus der Affinität zwischen Körper- und Wassersystemen als Speicherplatz für Erfahrung, Erinnerung und Information.

 

nomos%20physis%20auswahl.jpgPremiere: 25.April 2008, Posthof Tanztage-Labor Länge: 62 min

Konzept, Choreografie, Tanz, Kostüme: Marina Koraiman

Tanz und Kollaboration: Anna Achimowicz, Alexandra Faustmann, Ulrike Hager, MoMo

Rauminstallation und Lichtdesign: Rainer Kocher

Sounddesign und Raumklang: Michael Enzenhofer

Grafik: Franz Durst

Fotos: Hannelore Mollnhuber, Franz Durst

 





Dieses Projekt wurde unterstützt von: Land Oberösterreich, Stadt Linz, CCL-ChoreographicCenterLinz

Die Aquarien-Installation entstand im Zuge einer Auftragsarbeit von Kärnten Wasserreich zur Eröffnung der Landesausstellung 2007

 

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KRITIKEN:

Tanz der Wasserwelt

Eine magische Welt ist es, in der sich Multitalent Marina Koraiman am Freitag im Posthof präsentierte. Man taucht in eine Wasserwelt ein, getragen vom faszinierenden Klangteppich des Komponisten Michael Enzenhofer.

In einem Moment dieser Choreografie stellt Koraiman Wasserwesen einer kopflosen Frau im weißen Kleid gegenüber, die unwirklich schön einen der intensivsten Momente des Abends beschert.

Ulrike Hager beweist, daß man auch eine Koralle tänzerisch darstellen kann, wenn man die Bewegungsmuster beherrscht. Beeindruckend sind auch die fantasievollen Kostüme aus der Hand der Choreografin. “Nomos Physis” ist ein fesselndes Werk.

Oberösterreichische Nachrichten

Fabulöse Wasserwelten

In einem aufwändigen Szenario mit Wasserbecken, die wie Lichtlinsen wirken, Spiegeln und Overheadprojektoren entwarf Koraiman mit Rainer Kocher eine archaisch anmutende Unterwassershäre mit effektvollen Lichtbrechungen und suggestiven Raumklängen (Michael Enzenhofer).

Zurück in die Frühzeit der Evolution führten dann Anna Achimowicz, Alexandra faustmann, Ulrike Hager und MoMo als geheimnisvolle Fabeltiere, deren Kostüme von Koraiman entworfen wurden. Da schwebten Koralle, Riesenkrake, Nautilus und Urfisch durch die Wasserwelt, die Ursprung allen Lebens ist. Faszinierend dabei, wie vor allem die Tänzerinnen von Koralle und Krake neuartige Bewegungsabläufe erstehen und beinahe darauf vergessen ließen, dass sich menschliche Körper dahinter verbargen.

Neues Volksblatt

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Interview erschienen in SpotsZ







(Kunst.Kultur.Szene.Linz), Ausgabe April 2008:

Von Tanja Brandmayr

Wasser hat im stetigen Dahinströmen den Charakter des Endlosen, ist in seinem Kreislauf Sinnbild des Zyklischen. Marina Koraiman thematisiert im Tanztage Labor das Wasser zwischen „Recht des Menschen“ und „Recht der Natur“ und testet vor allem in Bild und Bewegung seine artifiziellen Eigenschaften.


Das Gesicht des Wassers

Nomos Physis heißt dein Stück, das beim heurigen Tanztage Labor gezeigt wird. Dabei geht es laut Programmheft um die formende Kraft des Wassers – um Zeit, Landschaft, Mensch und Natur. Um gleich in Medias Res zu gehen, was bedeutet in diesem Zusammenhang Nomos Physis?

Mit Nomos und Physis beziehe ich mich auf eine philosophische Denkrichtung der Sophisten des 4. Jahrhunderts, die das „Recht des Menschen“ dem der Natur entgegengesetzt. Dabei geht es um die Frage, inwieweit sich der Mensch die Grundlagen der Natur zu nutze machen darf. Die Bedeutung dieser philosophischen Richtung mag umstritten sein, doch hat sie an Aktualität nichts eingebüßt, da unsere heutige Lebensweise mit wirtschaftlichem Raubbau an der Natur und überproportionalem Konsumverhalten globale Folgen nach sich ziehen wird.. Ich habe Wasser als abstrahierten, realen und bedrohten Wert ins Zentrum dieses Stückes gestellt. Mitgedacht sind aber auch zeitliche Dimensionen: im steten Dahinströmen symbolisiert Wasser das lineare Zeitkonzept, in seinem Kreislauf steht es für das Zyklische. Wasser kann gelesen werden als das Element der Gefühle und der fließenden Veränderung – die bis dato tatsächlich noch weitgehend unerforschte Tiefsee symbolisiert die Welt des Unterbewusstseins.

Die Ästhetik des Stücks wirkt auf den Bildern mystisch und verzaubert. Kannst du etwas zu den eingesetzten Mitteln sagen, zur Installation oder zu den Kostümen?

Die Installation habe ich gemeinsam mit Rainer Kocher entwickelt. Sechs Aquarien, 50 cm im Kubus, stehen auf Sockeln und werden von unten beleuchtet. Dabei funktionieren die Aquarien als Lichtlinsen. Das ergibt einen magischen Effekt, weil es so aussieht, als ob Wasser schweben würde oder umgekehrt Licht sich materialisieren würde. Hinzukommen Spiegel, Filter, Gegenstände und ein selbstgebastelter Overheadprojektor. Es entstehen Lichtbrechungen durch verschiedene Bestrahlungen und Bewegungen – sozusagen greift in der Szenerie die Eigenregie der Installation. Wasser in so einen künstlerisch artifiziellen Kontext zu bringen, ist schon allein insofern interessant, als dass es die gerade Linie in der Natur gar nicht gibt. Im Gegenteil tendiert es das an sich formlose Wasser immer zu einer Kugel oder – in Fließbewegung- zu spiraligen Formen. Die Kostüme wiederum verändern auf phantasievolle Weise die Form des Körpers und seine Bewegungen Dabei sollen die physischen Grenzen visuell erweitert werden und andere Verbindungen zum Raum schaffen. Indem sich etwa ein langer, transparenter Mantel vom Walfisch zum Wasserfall transformieren lässt oder vier Tänzerinnen in die Figuren von Tieren schlüpfen, entstehen Bilder einer ursprüngliche Fauna und Flora. Bizarres Getier bevölkert in einer Szene die Unterwasserwelt: Koralle, Urfisch, Seegras… und ein elektronisch geladener Nautilus.

Um beispielhaft zu konkretisieren, diese Äste auf dem Bild, was bedeuten sie?

In dieser Szene geht es um die formende Urkraft des Wassers. Über lange Zeit formt Wasser  Landschaften, die gewaltig sind, in einer zeitlichen Dimension, die ein Menschenleben bei weitem überschreiten. Man denke etwa an den Grand Canyon  oder die Sahara, die nachweislich früher ein Meer war… Es geht sehr stark um diese zurückliegende zeitliche Dimension bzw. darum, dass man die Vergangenheit nicht einsehen kann, die Landschaft, in der man lebt, als Resultat  hingegen vorliegt. Diese Äste sind dafür ein Symbol: Einzelteile bilden ein Gefüge, das durch Bewegung seine , Konstellation immer wieder ändert. In diese Projektion der Äste soll sich dann der Körper einfügen, als Teil einer größer gedachten Veränderung. In Zeiten von Video und Computer ist das außerdem praktisch Old School: Dinge, die real im Moment vorhanden sind, werden per Overhead projiziert und verwendet.

Es handelt sich um eine Auseinandersetzung mit Natur und Wasser. Inwieweit ist die Auseinandersetzung mit der Natur eine Abstraktion, inwieweit ist sie konkret auf Themen wie Umweltverschmutzung und Klimawandel bezogen?

Es greift ineinander… Die Frage ist auch, woher man seinen Input bezieht, ich habe in diese Richtung ja in den letzten Jahren schon einiges gemacht. Interessanterweise war ich als Kind immer viel in den Bäumen und im Wald, während ich Kunst später als reinen Abstraktionsprozess begriffen habe. Bei einem meiner letzten Projekte, bei genius loci, habe ich begonnen,  die beiden Bereiche einander näher zu bringen und draußen im Freien mein Training zu machen und zu tanzen . Ich habe verschiedene Umgebungen als Unterschiede begriffen, die in verschiedenen Qualitäten in den Körper übergehen. Insofern sehe ich die Natur als Partner, mit dem man nonverbal kommunizieren kann. So wie jeder Mensch seine eigene Geschichte hat, ist auch in den verschiedenen Landschaften und Orten Geschichte gespeichert. Die Geomantie etwa untersucht die Energiefelder der Erde, insbesondere die Verletzungen der Erde durch Kriege. Dabei geht es in der Folge natürlich um Maßnahmen der Wiederherstellung, um Balance und Heilung. Ich sehe da eine große Affinität zwischen Körper, Natur und geistiger Dimension. Der Körper ist da eine gute Schnittstelle.

Körper und Körperlichkeit scheinen sich besonders gut für Erforschungen in so genannten wissenschaftlichen Randzonen zu eignen.

Das betrifft speziell das Phänomen des Körpers als Speicherplatz. Die Craniosakral-Therapie etwa geht davon aus, dass alle Erfahrungen in der Rückenmarksflüssigkeit gespeichert sind, was wiederum auf die Eigenschaft des Wassers zurückgeht, Informationen speichern zu können. So gesehen ist es nicht egal, wo das Wasser hindurchfließt, womit es konfrontiert wird – weder für den Menschen noch für die Umwelt. Wasser ist ein lebensspendendes zyklisches System mit Selbstreinigungskraft, sofern man es nur lässt. Der Mensch besteht zu 80 % aus Wasser. Diese Thematiken befinden sich für mich daher nicht an einem Rand, sondern sind ganz zentral. Wenn sich das in ein Bühnenstück transportieren lässt, dann ist das wunderbar. Die Bearbeitung mittels Tanz und Bewegung zielt dabei auf ein Körperwissen und auf eine Körperintelligenz ab, an die man sonst nicht so leicht herankommt.

Wo positionierst du deinen künstlerischen Stil innerhalb des weiten Feldes des zeitgenössischen Tanzes?

Das ist irgendwie schwierig zu sagen oder einzuteilen, weil ich nun über die Jahre einen sehr eigenen Stil in der Umsetzung meiner Visionen entwickelt habe, in dem die Bereiche Bildende Kunst und Tanz immer mehr zusammenkommen. Ich denke stark in Bildern, d.h. bei der Entwicklung einer Szene greifen in der Vorstellung von Anfang an Bewegungsqualität, Athmosphäre durch Licht und Klang, Dimension des Raumes und Kostüm als Haut der Bewegung ineinander und bestimmen sich gegenseitig. Die Bewegungssprache selbst bildet sich aus vielen Einflüssen, oftmals auch durch einen Körper-Reset, der auch mental rückwirkt. Ich bin interessiert am Detail wie am Ganzen – und in diesem Stück daran, dass der Tanz die Bandbreite an energetischer Dynamik abdeckt.

Kannst du vielleicht exemplarisch etwas zu deinen persönlichen Bezügen aus der Tanzwelt sagen?

Ganz eindeutig war Saburo Teshigawara prägend, der aus der Bildhauerei kommt und einen eigenen Kosmos kreiert hat, indem er Bewegung aus Atem entwickelt hat. Dann fällt mir noch Rose Anne Spradlin ein, die aus einer Schule des BMC (Anm. Body Mind Centering) Stücke entwickelt hat, die sich mit kognitiven Aspekten von Bewegung befasst haben.

Was siehst du dir bei den Tanztagen an?

Eigentlich alles, vor allem aber den Sidi Larbi Cherkaoui… und den Abend mit euch (Anm. war beides schon im März).

Dann zum Schluss die obligatorisch kulturpolitische Frage zu Linz09. Wie schaut’s aus?

Ich muss mich von der Kritik ja einerseits ausnehmen, weil ich innerhalb der Academy of the Impossible den Workshop Moving Attack  und Moving for All leite – andererseits ist mein Part auch keine große Geschichte. Ich finde es insgesamt bedauerlich, was da auf Grund fehlender Kommunikation und fehlendem Interesse aneinander vorbei läuft. Das Theater Phönix ist da ja nur ein Punkt, wo es offensichtlich wird.

Mitwirkende:

Ulrike Hager, Alexandra Faustmann,  MoMo, Anna Achimowicz, Marina Koraiman (alle Tanz), Rainer Kocher (Lichtdesign), Michael Enzenhofer (Musik).

Termin: 25. April, 20 Uhr, Posthof


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wasser.kraft

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wasser.kraft l eine tanzperformance

Uraufführung am 17.Mai 2007 in der Lodronschen Reitschule, WasserKünstlerstadt Gmünd/Kärnten

Wasser begegnet uns in vielen Zuständen. Wasser, ein Sinnbild für ständige Erneuerung und Kreislauf des Lebens, wird hier in einer faszinierenden Rauminstallation als Zusammenspiel von fünf Kräften dargestellt: inspirierend, formend, treibend, heilend und stürzend.

In bisher noch nie dagewesener Weise wird das Element Wasser auf der Bühne eingesetzt: eigens konstruierte Aquarien dienen als mehrfach nutzbare Lichtlinse und geben dem Raum und der Szenerie eine magische Wirkung.

Die ausdrucksstarke Tänzerin Marina Koraiman fühlt sich in die unterschiedlichen Qualitäten des Wassers ein und begibt sich mit kraftvoller wie sensibler Körpersprache auf eine dynamische Reise durch die Welt des Wassers.

Länge: 35 min

Konzept: Marina Koraiman, Rainer Kocher

Choreografie, Tanz, Kostüme: Marina Koraiman

Rauminstallation, Lichtdesign: Rainer Kocher

Musik: Philipp Glass, Mika Vainio, Robyn Schulkowsky, Peter Molvaer

Musikschnitt: Alex Jöchtl

Assistenz: Birgitt Petutschnig

Bühnenbau: Globo Event

Ausfertigung Rauminstallation, Foto: Thomas Horwath

Auftraggeber: Kärnten Werbung Marketing & Innovationsmanagement GmbH

Finanzierung: Land Kärnten

Fotos: Rainer Kocher

  Probephase wasser.kraft:

Austesten der möglichen Lichtwirkungen der Rauminstallation

Fotos: Thomas Horwarh

  Erste Versuche zur Wasser-Licht-Installation
Fotos: Rainer Kocher


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marina
GYROKINESIS
WORKSHOP 1: 3.Mai 2014:  9.30-12.00, 13.00-15.30
/ 4.Mai 2014: 10.00-12.30, 13.30-16.00

WORKSHOP 2: 28./29.Juni 2014: 10.00-12.30, 13.30-16.00

Kosten: 120,-

Ort alle: RedSapata Tabakfabrik, Ludlgasse 19, 4020 Linz. www.redsapata.com

LAUFENDER KURS: montags, 17.15-18.30 Kosten: Einzelstunde 12,- , Zehnerblock 110,-



 

tanzhafen festival 2014:

Performance Day Lentos Kunstmuseum, 24.4.2014, 18.00 Uhr. Eintritt frei: "faszie. eine Werkschau "

Workshop Day AmarDas, 26.4.2014, 11.00-12.30 Uhr: "Dance of Air"

nähere Infos: www.redsapata.com



termine kunst:

ausstellung "TwinTown Art"

21.9.-28.10.2012
alpe-adria-galerie
theaterplatz 3
9020 klagenfurt