04 genius loci


Eine tanz-szenische Installation von Marina Koraiman

für: Tanz / Text / Bewegung / Spiegelobjekt / Zeichnung / Video

Die Idee für das neue Stück von Marina Koraiman entstand aus dem spontanen Impuls, den Tanzsaal als Trainingsort zu verlassen und in der Natur zu arbeiten. Bald wurde offensichtlich, daß jeder Ort eine eigene Energie besitzt, die der durchlässige Körper erspüren und mittels Bewegung sichtbar machen kann. Dies führte zu einer seismographischen Erforschung verschiedener spezifischer Plätze: Wiese, Baumlichtung, Schotterplatz, Baustelle... , festgehalten auf Video.

In unserer Gesellschaft vermisse ich eine tänzerische Identität, in vielen Kulturen jedoch ist der Tanz im gemeinschaftlichen, rituellen Verständnis immer schon vorhanden. Alle Tänze besitzen ihren Ort. Und mit Betreten des Ortes tritt der Tänzer in den Tanz ein. So werden auch historische Orte(z.B. In Afrika) beschrieben. Der Tanz kommt zum Tänzer, kann sich ihm aber auch entziehen. Es ist nicht das Individuum, das über diesen Tanz entscheidet.

Die Frage ist nun: Kann man einen Tanz finden, der nicht an die persönliche Geschichte des Tänzers gebunden ist? Oder: Ist nicht die Beziehungsaufnahme zwischen Individuum und energetischem Gedächtnisraum des Ortes die spannende Gratwanderung zwischen Einzelwesen und Kollektivem Wissen, zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft? Tanz in diesem Sinn holt aus dem Raum etwas Neues hervor, das nur im Jetzt geschehen kann.

Unmittelbarer Tanz trifft auf Verwandlungslust. Das Publikum ist eingeladen, einen pulsierenden Gang aus magischen Tanz-, Farb- und Videoräumen zu beschreiten, die Enge und Weite selbst körperlich zu erleben. Die Kommunikation dehnt das Bewußtsein auf den Raum, die Akteure und die Zuschauer auf. Das Spiel von Kontrolle und Hingabe kann beginnen.

    Konzept: Marina Koraiman, Rainer Kocher

Choreografie/ Tanz/ Zeichnung / Kostüm / Spiegelobjekt: Marina Koraiman

Tanz: Alexandra Faustmann, Monika Huemer, Marina Koraiman

Schauspiel / Text / Bewegung: Regina Leitner

Lichtkonzept / Video: Rainer Kocher

Musik: Peter Androsch, Iannis Xenakis, Thomas Köner, Evelyn Glennie, Einstürzende Neubauten

Fotos: Hannelore Mollnhuber

 

Premiere:  14.Dezember 2005, Posthof Linz, Länge: ca.70 min

Raum 1 - Orte



Raum 2 - Spiegelobjekt


Raum 3 - Video Körperteile Universum



Raum 4 - Texte. Zeichnung



Raum 5 - Video Böden Natur



Raum 6 - Heisenberg


Raum 6 Cleve Backsters Entdeckung 1966, wonach lebende Zellen sich ihrer Umgebung anpassen und auf diese reagieren, genau wie auf Emotionen und Absichten, revolutioniert noch immer unser Verständnis von Bewußtsein und Kommunikation.

Cleve Backster:Primary Perception: Biocommunication with Plants, Living Food and Human Cells

Der folgende Text beinhaltet die wichtigsten Ausschnitte aus einem Interview mit Derrick Jensen.

1     Manchmal kann es passieren, dass eine Person genau weiß, wann sich ihr oder sein Leben unwiderruflich verändert. Für Cleve Backster war es früh am Morgen des 2. Februar 1966, bei 13 Minuten und 55 Sekunden der Aufzeichnungen des Polygraphen, an dem er arbeitete:

Backster:

Die ursprüngliche Beobachtung, die ich machte, geschah mit einer Drachenpflanze. Ich wässerte die Pflanze -- indem ich sie unter den Wasserhahn hielt und goss, bis das Wasser komplett hindurch lief -- und war neugierig wie lange es wohl dauern würde, bis die Feuchtigkeit bis zur Spitze bräuchte.

Besonders interessiert war ich an der Drazena, weil das Wasser den hohen Stamm hoch musste und dann bis zum Ende der langen Blätter. Ich dachte, wenn etwas am Blattende den Widerstand messen würde...die galvanische Hautreaktion des Polygraphen - ein wenig Widerstand sollte auf dem Papier registriert werden, wenn die verunreinigende Feuchtigkeit zwischen den Elektroden anlangte.

Als Nächstes bemerkt ich etwas auf dem Schreiber, was einer menschlichen Reaktion auf dem Polygraphen ähnelte. Mit anderen Worten, diese Linien, die die Nadel zog waren nicht das, was ich von Wasser , das das Blatt erreichte, erwartete, sondern was ich von einer Person erwarten würde, die sich einem Lügendetektortest unterzieht.

Lügendetektoren arbeiten nach dem Prinzip, dass wenn Personen eine Bedrohung ihres Wohlergehen wahrnehmen, sie physiologisch auf vorhersehbare Weise reagieren werden.

2     Demnach fing ich an nachzudenken, wie ich das Wohlergehen der Pflanze bedrohen könnte. Zuerst versuchte ich, ein benachbartes Blatt in warmen Kaffee zu halten. Die Pflanze, zeigte etwas, was ich mittlerweile als Langeweile erkenne - die Linie tendierte einfach abwärts.

Dann, bei 13 Minuten, 55 Sekunden Tabellenzeit kam ich auf die Idee, das Blatt, das ich testete, zu verbrennen. Ich sagte nichts, ich berührte die Pflanze nicht, ich berührte die Geräte nicht. Die einzig neue Sache, die den Reiz der Pflanze hätte bilden können, war das mentale Bild. Dennoch geriet die Pflanze außer Rand und Band. Der Stift schlug bis zum oberen Rand der Tabelle aus.

Ich ging in das nächste Büro um Streichhölzer aus dem Schreibtisch meiner Sekretärin zu holen, das Entzünden von einem Streichholz verursachte einige schwächere Reaktion bei dem benachbartem Blatt.

Mir wurde jedoch klar, dass ich schon solch eine Sättigung einer Reaktion sah, sodass noch mehr Veränderung sowieso nicht wahrnehmbar sein würde. Also versuchte ich den entgegengesetzten Ansatz: ich beseitigte die Bedrohung, indem ich die Streichhölzer zurück in den Schreibtisch legte. Die Pflanze beruhigte sich sofort wieder.

Von diesem Bruchteil einer Sekunde an war mein Bewusstsein nicht mehr das gleiche.

Die Fähigkeit der Pflanzen, Absichten wahrzunehmen schlugen in mir eine radikale Neudefinierung von ‚Bewußtsein’ vor.

3     Somit begann ich ein Experiment von größerer Tiefe aufzubauen, um das zu erforschen, was ich bald als primäre Wahrnehmung nennen würde.

Eines Tages schüttete ich aufkochendes Wasser ins Waschbecken. Die Pflanze, die unter Beobachtung stand, zeigte starke Reaktionen.

Tatsache ist, dass wenn man eine Weile lang keine Chemikalien oder kochendes Wasser in ein Waschbecken gießt, sich da unten ein kleiner Dschungel entwickelt. Unter dem Mikroskop sieht das fast so beängstigend aus, wie die Stab-Kampf Szene aus Star Wars.

Das heißt, die Pflanze reagierte auf den Tod der Mikroben.

Ich war über diese Wahrnehmungsfähigkeit bis hinunter zur bakteriellen Ebene verblüfft. Ein Joghurt -Muster wird sich zum Beispiel melden, wenn das andere gefüttert wird. So unter dem Motto ‚Der kriegt Essen. Wo ist meins?’ Und das passiert mit einem gewissen Wiederholungsgrad.

Oder wenn man zwei Joghurt Proben nimmt, eine an die Elektroden anschließt, und in den anderen Antibiotika hineingibt, zeigt der ‚elektrodisierte’ Teil heftige Reaktion auf den Tod des anderen. Und dabei müssen die beiden nicht einmal von der gleichen Bakterienart stammen.

4     Ich war einmal in einem Flugzeug, und hatte so einen galvanischen Messer bei mir, um Elektroden anschließen zu können.

Ich hatte den Platz neben dem Gang und kann mich noch an den armen Kerl neben mir erinnern. Als die Stewardessen anfingen, das Mittagessen zu servieren, holte ich meinen Messer heraus und sagt zu ihm: ‚Wollen Sie was Interessantes sehen?’ Ich legte ein Salatblatt zwischen zwei Elektroden, und als die Leute anfingen, ihren Salat zu essen, bekamen wir Reaktionen, die dann aufhörten, als die Blätter in den Schockzustand übergingen. Als die Stewardessen unsere Mahlzeiten abräumten, bekam der Salat seine Reaktivität zurück.

Der Punkt war, dass der Salat in einen schützenden Zustand überging, um nicht leiden zu müssen.

Dieses Nachlassen von elektrischer Energie auf Zellen-Ebene erinnert, glaube ich, an den Schockzustand beim Menschen im extremen Trauma.

5     Ich beobachtete auch Einzelzellen-Organismen auf menschlicher Ebene - Sperma -die auf die Empfindungen des Spenders reagieren, selbst wenn sie nicht mehr im gleichen Raum mit dem Spender sind.

Dann, traf ich einen Dentalforscher der eine Methode zur Gewinnung weißer Zellen aus dem Speichel eines Spenders ausgearbeitet hatte. Das war großartig!

Wir entnahmen die weißen Zellen Muster und schickten die Leute nach Hause, fernsehen.

Was wir dabei herausfanden, war, dass die Zellen noch außerhalb des Körpers auf die Emotionen, die man empfindet, immer noch reagieren, auch wenn man Meilen entfernt ist.

Die größte Entfernung, die wir je testeten, waren etwa 300 Meilen. Das ist sehr beeindruckend.

Das Signal, was immer es auch sein mag, löst sich nicht über Distanz hinweg auf.

Manchmal habe ich eine Pflanze angeschlossen, ging dann spazieren mit einem Zufalls-Timer in der Tasche. Wenn der Timer dann ausging, ging ich wieder nach Hause. Die Pflanze reagierte immer in dem Moment, wo ich mich auf den Rückweg machte, unabhängig von der Entfernung.

Dasselbe gilt auch für Hunde. Sogar bei Leuten, die nicht immer zu gleichen Zeit nach Hause kommen, sobald Herrchen oder Frauchen von der Arbeit losgehen, springt der Hund zu Hause zur Tür.

6     Ich kann also seelenruhig sagen, dass die Entfernung das Signal nicht verunglimpft. Wir haben versucht das Signal durch verbleite Behälter abzuschirmen, mussten aber herausfinden, dass wir das Signal nicht abschirmen konnten.

Das brachte mich auf den Gedanken, dass das Signal eigentlich nicht von hier nach dort reiste, sondern stattdessen sich an verschiedenen Orten manifestierte, und nicht reisen musste, um dort zu sein.

Ich bekam Unterstützung in diesem Glauben - das das Signal weder zeit - noch entfernungsabhängig ist - von ein paar Quantenphysikern.

Da gibt es etwas, das das Bell Theorem genannt wird, welches besagt, dass, wenn ein Atom an einem entfernten Ort seine Rotation verändert, dies auch ein Atom hier augenblicklich tun wird.

Das alles bringt uns natürlich auf die Ebene des metaphysischen, des spirituellen. Denken Sie mal an Gebete, Meditation.

Wenn Sie zum Beispiel zu Gott beten würden, und Gott würde sich gerade irgendwo am anderen Ende der Galaxie aufhalten, und ihr Gebet würde mit Lichtgeschwindigkeit reisen, dann würden Ihre Knochen schon längst Staub sein, bevor Gott reagieren würde. Aber wenn Gott, egal wie Sie Gott definieren, überall ist, dann wird das Gebet nicht reisen müssen.

7     Wir haben da zwei verschiedene Arten von Bakterien, die sehr miteinander synchronisieren. Wir haben Pflanzen, die auf den Tod anderer Kreaturen reagieren. Meine gesamte Arbeit hat immer wieder gezeigt, dass diese Kreaturen - Bakterien, Pflanzen usw. alle fantastisch aufeinander abgestimmt sind.

Nun, wenn man sich den Menschen zuwendet, da geht dieses Fähigkeit verloren oder man fragt sich, ob wir diese Talent je besaßen.

Wir neigen manchmal dazu, uns als die höchstentwickelte Spezies auf diesem Planeten zu sehen. Wir sind bei intellektuellen Bemühungen erfolgreich. Aber dies sollte nicht der absolute Maßstab sein, wonach man urteilen sollte. Es könnte sein, dass da andere sind, die geistig weiter entwickelt sind.

Weil Pflanzen kein Gehirn haben, deswegen können sie, nach westlichem Denken, kein Bewusstsein haben.

Ich denke, dass die westliche Wissenschaft die Rolle des Gehirns beim Bewusstseins übertreibt. Bewusstsein könnte auf einer völlig anderen Ebene existieren, auf der etherischen zu Beispiel.

Das Gehirn mag mit dem Gedächtnis was zu tun haben, aber man weiß, dass dort nicht viel Gedächtnis gespeichert ist.

8     Der Begriff von zellularem oder zumindest körperlichem Gedächtnis ist vielen Athleten vertraut. Wenn man trainiert, versucht man Gedächtnis in seinen Muskeln aufzubauen. Man konzentriert sich auf die Muskelzellen und bittet sie, größer zu werden. Zellulare Kommunikation mit den Muskeln, sie zu fragen, was sie wollen, und ihnen mitzuteilen was man selber will.

Die Russen waren immer sehr interessiert an meiner Arbeit. Sie schienen in vieler Weise den spirituellen Konzepten mehr zugetan, als die meisten Wissenschaftler im Westen.

Ich kenne Biologen, die sagten ‚Wenn Backster richtig liegt, haben wir ein Problem’.

Wann immer ich Indischen Wissenschaftlern begegnete - Buddhist oder Hindu - und wir sprechen über meine Arbeit, sagen sie nur ‚Wieso haben Sie solange gebraucht?’

  1. 9 Westliche Wissenschaftler und die gesamte

Gemeinschaft im Allgemeinen befinden sich in einer schwierigen Lage, denn um die gegenwärtige Einstellung zum wissenschaftlichen Gedanken zu erhalten, müssen sie eine unglaubliche Menge von Informationen ignorieren.

Leute mit wissenschaftlichen Absichten stolpern immer wieder über dieses Biokommunikations-Phänomen.

Das große Problem, wenn es um Bewusstseinsforschung geht, ist die Wiederholungsmöglichkeit. Die Ereignisse, die ich gesehen habe, müssen spontan sein. Wenn man sie sich im Voraus ausdenkt, hat man sie schon verändert.

Wiederholungsmöglichkeit und Spontanität passen nicht zusammen.

Die Betonung der Wiederholbarkeit scheint sich gegen das Leben zu stellen, wo doch Leben selber auch nicht wiederholbar ist.

Und diese Betonung ist so unglaublich wichtig, weil, wie es Francis Bacon auch klarstellte, Wiederholbarkeit auch unzertrennlich mit Kontrolle verbunden ist.

10  Kontrolle ist es, was die westliche Wissenschaft ausmacht. Kontrolle ist es, was die westliche Kultur ausmacht. Für einen Wissenschaftler bedeutet das Aufgeben von Vorhersehbarkeit das Aufgeben von Kontrolle, was weiter bedeutet, dass sie die westliche Kultur aufgeben müssen, was wiederum bedeutet, dass das nicht passieren wird bevor die Zivilisation unter dem Gewicht der eigenen ökologischen Ausschweifungen kollabiert.

Der Planet wird das letzte Wort haben, was den Schaden betrifft, den die Menschen ihm zufügen. Noch ein wenig mehr von dieser Misshandlung, dann wird der Planet ein wenig rülpsen und schnauben, und ein guter Teil unserer Population wird nicht mehr hier sein.

Ich habe eine bestimmte Ahnung, dass die Erde mit dieser Misshandlung umgehen kann. Ich glaube nicht, dass es soweit geht, dass man diese Verteidigungsstrategie als eine Art planetarer Intelligenz bezeichnen kann. Aber der Planet wird sich darum kümmern, und vielleicht sogar ein wenig stärker, als uns lieb sein wird. Es wäre besser, wenn wir uns der Probleme annehmen würden.

Ich habe irgendwo einmal gelesen, dass die Reaktionen eines Wissenschaftlers auf meine Arbeit war, dass in dem Lügendetektor ein Kabel lose sein müsste.

Seien Sie versichert:  Ich habe in 31 Jahren alle meine losen Kabel gefunden.

top

home






über mich über meine arbeit mein tanz meine bilder

Uber Michkontakt:

marina koraiman
semmelweisstrasse 41
4020 linz
mob:  +43 664 3014728
email:
<marinakoraiman@gmx.at>

 

marina
GYROKINESIS
WORKSHOP 1: 3.Mai 2014:  9.30-12.00, 13.00-15.30
/ 4.Mai 2014: 10.00-12.30, 13.30-16.00

WORKSHOP 2: 28./29.Juni 2014: 10.00-12.30, 13.30-16.00

Kosten: 120,-

Ort alle: RedSapata Tabakfabrik, Ludlgasse 19, 4020 Linz. www.redsapata.com

LAUFENDER KURS: montags, 17.15-18.30 Kosten: Einzelstunde 12,- , Zehnerblock 110,-



 

tanzhafen festival 2014:

Performance Day Lentos Kunstmuseum, 24.4.2014, 18.00 Uhr. Eintritt frei: "faszie. eine Werkschau "

Workshop Day AmarDas, 26.4.2014, 11.00-12.30 Uhr: "Dance of Air"

nähere Infos: www.redsapata.com



termine kunst:

ausstellung "TwinTown Art"

21.9.-28.10.2012
alpe-adria-galerie
theaterplatz 3
9020 klagenfurt